Aktuelles

Hier soll vor allem über aktuell laufende Mess- und Beratungsaktivitäten, neue Normen oder gesetzliche Regelungen berichtet werden:

1.  Neue Lärmschutz-Arbeitsblätter

2.  Geräuschgeminderte Druckluftdüsen

3.  Seminar zur Geräuschemissionsmessung

4.  Beratung zu Büroakustik 

5.  Neue Arbeitsstättenregel zum Lärm 

 

1.  Neue Lärmschutz-Arbeitsblätter (IFA-LSA-Blätter)

 

Neue Lärmschutz-Arbeitsblätter

 

Die Lärmschutz-Arbeitsblätter (LSA-Blätter) des Instituts für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IFA) haben eine lange Tradition. Erste entsprechende Arbeitsblätter bzw. Broschüren wurden bereits in den 70er-Jahren herausgegeben, um damit über neue Untersuchungsergebnisse im Lärmschutz zu berichten und Hilfen bei der praktischen Umsetzung von Lärmminderungsmaßnahmen zu geben. So entstanden z.B. LSA-Blätter zum Bau von Schallschutzkapseln, zu lärmarmen Druckluftdüsen, zu geräuschgeminderten Sägeblättern, zu geräuschgeminderten Beton-Rütteltischen und zur Ermittlung des Lärmexpositionspegels.

 

Diese Informationsschriften wurden regelmäßig überarbeitet, um sie neuen gesetzlichen Regelungen und Normen sowie neuen Erkenntnissen im Bereich des Lärmschutzes anzupassen. Im Zuge einer Neuordnung des Regelwerks der Unfallversicherungsträger (UVT) mussten diese LSA-Blätter jedoch zurückgezogen werden.

 

Noch in meiner Zeit als Referatsleiter „Lärm“ im IFA konnten mehrere neue LSA-Blätter herausgegeben werden, die unter der Bezeichnung „IFA-LSA-Blatt“ als DGUV-Schriften publiziert wurden, z.B.:

 

-       IFA-LSA-Blatt 01-234: Raumakustik in industriellen Arbeitsräumen (Verfasser: J. Maue und D. Förster), August 2014

 

-       IFA-LSA-Blatt 01-243: Geräuschminderung durch Kapselung (Verfasser: J. Maue), Oktober 2014

 

-       IFA-LSA-Blatt 02-375: Geräuschgeminderte Diamant-Trennscheiben für Steinsägen (Verfasser: J. Maue), Dezember 2015

  

Im letzten Jahr meiner Arbeit für das IFA konnte ich die Manuskripte für zwei weitere LSA-Blätter fertigstellen, die nun mit Ausgabedatum „Juli 2019“ als neue IFA-LSA-Blätter gedruckt wurden. Anstelle eines Verfassers werden hier jeweils die fachlich zuständigen Ansprechpartner im Institut genannt, um sich bei weitergehenden Fragen zu den entsprechenden Themen an sie wenden zu können.

 

-       IFA-LSA-Blatt 01-400: Beurteilung der Lärmexposition nach der Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung (Ansprechpartner: Dr. Andrea Wolff), Juli 2019

 

-       IFA-LSA-Blatt 01-305: Geräuschminderung im Betrieb – Lärmminderungsprogramm (Ansprechpartner: Dr. Florian Schelle), Juli 2019

 

 

IFA-LSA-Blatt 01-400: 

Bei diesem Lärmschutz-Arbeitsblatt handelt es sich um eine Überarbeitung der von mir verfassten BG-Informationsschrift BGI/GUV-I 792-010 „Lärmmesstechnik – Ermittlung des Lärmexpositionspegels am Arbeitsplatz“ (Januar 2012). Das LSA-Blatt beschreibt die fachkundige Durchführung von Lärmmessungen nach der Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung und den Technischen Regeln zu dieser Verordnung (TRLV Lärm). Grundlage für die entsprechenden Messungen bildet die Internationale Norm DIN EN ISO 9612. Zum besseren Verständnis der beschriebenen Messungen und als Grundlage für Beurteilung der Gefährdung werden zudem die wesentlichen Inhalte der Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung sowie akustische Grundbegriffe erläutert. Zur weitergehenden Information wird auf das Taschenbuch „Lärmmessung im Betrieb“ verwiesen (siehe auch Fachinfo „Ermittlung der Lärmexposition“). 

 

 

IFA-LSA-Blatt 01-305:

Das neue Lärmschutz-Arbeitsblatt „Geräuschminderung im Betrieb – Lärmminderungsprogramm“ basiert auf dem im Oktober 2008 als DGUV-Schrift herausgegeben Informationsblatt, das von Herrn R. Hertwig und mir erarbeitet wurde. Da zwischenzeitlich die Technischen Regeln zur Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung (TRLV Lärm) verabschiedet wurden, die im Übrigen auch große Teile aus dem LSA-Blatt übernommen haben, war nun aber eine Überarbeitung des LSA-Blattes zum Lärmminderungsprogramm erforderlich.

 

Das LSA-Blatt beschreibt alle wesentlichen Schritte zur Erstellung eines Lärmminderungsprogramms in Form einer Handlungsanleitung (siehe auch Fachinfo „Lärmminderungsprogramm“). Zur übersichtlichen Dokumentation der einzelnen Arbeitsschritte, von den Mess- und Analyseergebnissen bis hin zu den geplanten Maßnahmen und Umsetzungsterminen, werden im Anhang des Blattes entsprechende Formblätter angeboten. Außerdem wird ein Beispiel für ein erfolgreiches Lärmminderungsprogramm vorgestellt. Auf dem Titelblatt ist das Ergebnis einer von mir im Rahmen dieses Beispiels erstellten Lärmprognose-Rechnung (Lärmpegeltopographien) gezeigt, das den durch eine schallabsorbierende Decke zu erwartenden Erfolg veranschaulicht (siehe obiges Bild).

 

 

2.  Geräuschgeminderte Druckluftdüsen

Beispiele für geräuschgeminderte Druckluftdüsen

 

Lärmarme Druckluftdüsen

zum Reinigen von Werkstücken und Maschinen

  

In einer mechanischen Werkstatt mit Drehmaschinen und Fräsmaschinen wurden verhältnismäßig hohe Geräuschbelastungen gemessen, die vor allem durch die hier eingesetzten Druckluft-Blaspistolen verursacht wurden. So wurden zum Reinigen der produzierten Werkstücke und der Maschinen Blaspistolen mit Einlochdüsen von 1,5 bis 3 mm Durchmesser bei einem Netzdruck von ca. 7 bar eingesetzt. Dabei können sich erfahrungsgemäß hohe Schalldruckpegel von weit mehr als 90 dB(A) ergeben. Insbesondere beim Anblasen von Kanten oder Ausblasen von Bohrungen muss man mit Schalldruckpegeln bis zu rund 110 dB(A) rechnen.

  

Um die Geräuschbelastung für die Beschäftigten zu verringern, empfiehlt es sich zunächst einmal, die Druckluftdüsen nicht unnötig oft und lange einzusetzen. So lassen sich die Späne vor dem Abblasen zumindest grob mit dem Handfeger entfernen oder absaugen, um die Teile erst danach mit Druckluft zu reinigen. Das Geräusch beim Einsatz der Druckluftdüsen lässt sich durch Verwendung geräuschgeminderter Druckluftdüsen wesentlich reduzieren. Diese Düsen reduzieren durch eine Aufteilung des Luftstrahles auf parallel angeordnete Röhrchen oder Bohrungen oder auf Schlitze im Düsenkopf die Wirbelbildung/Turbulenzen der Luftströmung und somit die Schallentstehung. Zwar kann der Schalldruckpegel auch bei diesen geräuschgeminderten Düsen z.B. beim Ausblasen von Bohrungen um bis zu 20 dB(A) ansteigen, es bleibt jedoch immer noch ein Lärmminderungserfolg gegenüber dem Einsatz von Einlochdüsen. Das wird z.B. in dem Sicherheitstechnischen Informations- und Arbeitsblatt 230 241 im IFA-Handbuch Lfg. 2/2016 auf 26 Seiten ausführlich erläutert (s. auch Lärmschutz-Arbeitsblatt LSA 05-351 „Geräuschgeminderte Druckluftdüsen“ von 1997, derzeit nicht verfügbar).

 

Um den mit geräuschgeminderten Düsen erreichbaren Lärmminderungserfolg zu untersuchen, wurden verschiedene geräuschgeminderte Düsen ausgewählt, die bei den vorgesehenen Reinigungsaufgaben eine ausreichende Blaskraft und eine deutliche Pegelminderung versprechen. Grundlage für diese Auswahl waren die im o.g. Beitrag im IFA-Handbuch zusammengestellten Ergebnisse für 60 unterschiedliche Druckluftdüsen sowie die Datenblätter der Fa. Gerätebau-Insul. Während die meisten Anbieter von geräuschgeminderten Düsen gerade mal einen Schalldruckpegel und den Luftverbrauch bei einem Betriebsdruck nennen, findet man bei Gerätebau-Insul für alle angebotenen Düsen Diagramme mit Blaskraft, Luftverbrauch und Schalldruckpegel (in 1 m Abstand) für Betriebsdrücke von 1 bis 6 bar. Damit kann man also z.B. auch ermitteln, wie sich der Schalldruckpegel und der Luftverbrauch durch eine Reduzierung des Betriebsdrucks ändert. 

  

Da die eigenen Messungen am Rande einer umfassenden Lärmminderungsberatung stattfanden und die dabei verfügbare Zeit begrenzt war, wurden nur 4 geräuschgeminderte Düsen ausgewählt und im Vergleich zu einer 3 mm Einlochdüse gemessen. Dabei ließen sich die verschiedenen Düsen jeweils in einer Blaspistole untersuchen, indem die Blasköpfe gewechselt wurden.

 

Alle Düsen wurden zunächst beim freien Blasen, d.h. ohne Hindernisse in Blasrichtung, in einem seitlichen Abstand (senkrecht zur Blasrichtung) von 0,4 m gemessen. Das sollte näherungsweise dem üblichen Abstand von der Düse zum Ohr des Beschäftigten entsprechen. Zusätzlich wurde für die ausgewählten Düsen jeweils das Geräusch beim Abblasen der Schlittenführung an einer Drehmaschine gemessen (Mikrofon in der Nähe des Ohres des Beschäftigten). Die entsprechenden Ergebnisse sind in der folgenden Tabelle zusammengestellt. Dabei wurden die Ergebnisse mit einer Stelle hinter dem Komma angegeben (Ablesung des Schallpegelmessers), obwohl man unter den gegebenen Messbedingungen mit größeren Unsicherheiten rechnen muss und die Ergebnisse sicher nicht exakt reproduzierbar sind.

  

Tabelle:  Ergebnisse aus Vergleichsmessung von Druckluftdüsen bei freiem Blasen sowie bei realem Einsatz (simuliert) zum Reinigen der Schlittenführung einer Drehmaschine  (Betriebsdruck: 7 bar)

 

Da alle untersuchten Düsen mit demselben Druck von ca. 7 bar (Angabe des Betriebes) gemessen wurden, ergeben sich sehr unterschiedliche Blaskräfte. Die in der Tabelle angegebenen Blaskräfte wurden auf der Grundlage der im Lärmschutz-Arbeitsblatt 05-351 bzw. im o.g. Beitrag 230 241 im IFA-Handbuch Lfg. 2/16 zusammengestellten Ergebnisse sowie nach den Datenblättern der Fa. Gerätebau-Insul ermittelt. Da die Blaskräfte von zwei ausgewählten Düsen (C und D) deutlich höher ausfallen als bei den eingesetzten Einlochdüsen, sind diese Düsen bei dem gegebenen Betriebsdruck vermutlich für den Einsatz überdimensioniert. Erfahrungsgemäß reicht beim Einsatz von lärmarmen Blasdüsen ein Betriebsdruck von ca. 3 bis 5 bar. Deshalb empfiehlt sich bei diesen beiden Düsen eine Reduzierung des Druck, um damit eine weitere Pegelminderung und zugleich einen geringeren Luftverbrauch zu erreichen. Als kostengünstige Lösung zur Druckreduzierung bieten sich Druckluftdrosseln mit fest eingestelltem Druck von z.B. 3, 4 oder 5 bar an, die sich direkt an die Pistole anschließen lassen (z.B. von der Fa. Gerätebau-Insul zum Preis von ca. 13 € + MwSt.). Für die hier ausgewählten Düsen selbst liegen die Preise zwischen ca. 11 € + MwSt. (Düse B) und ca. 41 € + MwSt. (Düse C). Je nach Lieferant können die Preise deutlich differieren. 

A) Einlochdüse mit 3 mm Bohrung: 

Für die 3 mm Einlochdüse wurde beim freien Blasen ein Pegel von ca. 96 dB(A) gemessen. Beim Reinigen der Schlittenführung der Drehmaschine ergab sich ein um nur 0,5 dB(A) höhere Pegel. Auch bei den anderen Düsen ergaben sich für den realen Einsatz keine wesentlich höheren Pegel, weil relativ glatte Flächen gereinigt wurden. Außerdem mag der Abstand zwischen Düse und Ohr etwas größer gewesen sein als der Messabstand beim freien Blasen (0,4 m). Neben der 3 mm Düse konnte an einem anderen Arbeitsplatz im Betrieb auch eine Einlochdüse mit 2 mm Bohrung beim freien Blasen gemessen werden. Für die kleinere Düse ergab sich ein um mehr als 3 dB(A) niedrigerer Pegel. Auch nach den im IFA-Handbuch (Bild 2) präsentierten Ergebnissen fallen die Schalldruckpegel für kleinere Einlochdüsen mit 1,5 und 2 mm Durchmesser wesentlich niedriger aus als bei Düsen mit Durchmessern von 3 mm und mehr. Damit verbunden ist allerdings auch eine deutliche Reduzierung der Blaskraft, was aber bei vielen Anwendungen in diesem Betrieb offenbar ausreicht.

 

B) Mehrkanal-Rundstrahldüse: 

Die untersuchte Rundstrahldüse von der Fa. Lechler vom Typ 600.326.5 wird in dieser Form auch von anderen Firmen angeboten (z.B. Fa. Gerätebau-Insul, MAFA) und entspricht wohl dem im LSA-Blatt 05-351 als Düse Nr. 22 untersuchten Modell. Unter den hier gewählten Messbedingungen ergaben sich sowohl beim freien Blasen als auch beim Reinigen der Schlittenführung um ca. 7 dB(A) niedrigere Pegel als mit der 3 mm-Einlochdüse. Dabei ergibt sich sogar eine noch etwas größere Blaskraft von ca. 7 N. Bei einem Betriebsdruck von 4 bar sollte diese Rundstrahldüse nochmals rund 5 dB(A) leiser sein und mit einer Blaskraft von ca. 4 N noch immer deutlich mehr Leistung bringen als die 2 mm-Einlochdüse mit ca. 2,5 N Blaskraft.

 

Diese Rundstrahldüse wird zu einem relativ günstigen Preis angeboten. Da sie aus Kunststoff besteht, kann sie im rauen Betriebseinsatz stärker verschleißen und muss evtl. nach einiger Zeit mal ersetzt werden. Für eine äußerlich schon stark abgenutzte Düse ließ sich jedoch kein signifikant höherer Pegel feststellen. Da der erzeugte Luftstrahl relativ breit ist, eignet sich diese Düse vermutlich eher zum Abblasen von Flächen als zum Ausblasen von Bohrungen.

 

C) Mehrkanal-Flachdüse:

Die getestete Mehrkanal-Flachdüse 842 der Fa. Gerätebau-Insul dürfte wohl der im LSA-Blatt 05-351 als Nr. 6 beschriebenen Düse entsprechen. Bei dem im Betrieb anliegenden Vordruck von 7 bar ließ sich im Vergleich zur 3 mm-Einlochdüse sowohl beim freien Blasen als auch beim realen Einsatz jeweils eine Pegelminderung von ca. 5 dB(A) messen. Dabei erzeugt die geräuschgeminderte Düse allerdings mit mehr als 8 N eine deutlich höhere Blaskraft als die 3 mm-Einlochdüse. Wenn man den Vordruck auf 5 bar reduziert, sollte sich bei einer immer noch ausreichenden Blaskraft von mehr als 6 N eine Pegelminderung von insgesamt ca. 8 dB(A) ergeben. Je nach Einsatzbereich kann auch eine weitere Absenkung des Vordrucks sinnvoll sein, so dass sich die Geräuschbelastung und der Luftverbrauch noch weiter reduzieren.

 

Die hier untersuchte Flachdüse ist aus Messing (vernickelt) aufgebaut und deshalb sehr robust. Sie sollte sich neben dem Reinigen von Flächen auch gut zum Ausblasen von Bohrungen eignen, da die flache Düse nicht die Bohrung abdeckt und die Späne herausfliegen können.

  

D) Mehrkanal-Runddüse:

Die untersuchte Mehrkanal-Runddüse 1.761 der Fa. Gerätebau-Insul wird in dieser Form auch von anderen Lieferanten angeboten, z.B. den Firmen MAFA Sebald und Riegler & Co. KG. Sie verspricht in diesem Vergleich die höchste Blaskraft. Nach dem Datenblatt der Fa. Gerätebau-Insul kann man bei dem Betriebsdruck von 7 bar mit einer Blaskraft von mehr als 10 N rechnen. Beim freien Ausblasen wurde für diese Düse im Vergleich zur 3 mm-Einlochdüse ein Lärmminderungserfolg von ca. 7 dB(A) gemessen. Beim Reinigen der Schlittenführung ergab sich eine Pegelminderung um ca. 5 dB(A). Bei einem Betriebsdruck von 4 bar sollte die Düse immer noch eine hohe Blaskraft von 7 N erzeugen und damit um nochmals um 5 dB(A) leiser arbeiten (Pegelminderung insgesamt ca. 10 dB(A)). Je nach Einsatzbereich kann sogar eine Reduzierung des Betriebsdruckes auf 3 bar sinnvoll sein. Obwohl diese Düse aus Aluminium besteht, sollte sie sich auch für den rauen Betriebseinsatz eignen, weil die seitlichen Düsenöffnungen relativ gut geschützt liegen. 

 

E) Schlitzdüse: 

Die leiseste Düse in diesem Vergleich ist die Schlitzdüse der Fa. Gerätebau-Insul vom Typ 1.873/803, die in gleicher Bauweise wohl auch von der Fa. Swedex GmbH in Neuss angeboten wird. Bei dem gegebenen Betriebsdruck von 7 bar sollte diese Düse eine Blaskraft von ca. 4 bis 5 N erbringen, also etwas weniger als die Einlochdüse mit 3 mm Durchmesser, aber deutlich mehr als die 2 mm-Einlochdüse. Beim freien Blasen wurde für diese Düse eine Pegelminderung von rund 14 dB(A) gegenüber der 3 mm Einlochdüse und von 10 bis 11 dB(A) gegenüber der 2 mm Düse gemessen. Auch im realen Einsatz beim Reinigen der Schlittenführung ergab sich eine Pegelminderung von mehr als 11 dB(A) gegenüber der 3 mm Einlochdüse. Der damit erreichbare Lärmminderungserfolg ist auch subjektiv deutlich spürbar. Bei dem niedrigen Pegel wird die Blaskraft oft unterschätzt.

Diese Schlitzdüse ist mit der Spitze aus Messung sehr solide aufgebaut und sollte sich aufgrund des geringen Durchmessers auch gut zum Ausblasen von kleinen oder verwinkelten Teilen eignen.

 

Nach den hier zusammengestellten Ergebnissen sollten sich alle für die Vergleichsmessungen ausgewählten Düsen zum Reinigen von Werkstücken und Maschinen gut eignen. Die Mehrkanal-Rundstrahldüse (Düse B) und die Schlitzdüse (Düse E) können dabei in der Regel wohl ohne eine Reduzierung des Betriebsdrucks eingesetzt werden. Für die Düsen C und D sollte jedoch ein Druckreduzierung vorgenommen werden, um den Lärmminderungserfolg zu verbessern und Kosten für die Druckluft einzusparen. 

Dem Betrieb wurde eine Umrüstung der vorhandenen Einlochdüsen auf geräuschgeminderte Düsen empfohlen. Nur einzelne Blaspistolen mit Düsendurchmessern von weniger als 2 mm Durchmesser (Blasgeräusch unter 90 dB(A)) und nur sehr selten eingesetzte Blaspistolen können erhalten bleiben. Damit ließ sich die Geräuschbelastung an allen Arbeitsplätzen in der Dreherei und Fräserei auf Lärmexpositionspegel unter 85 dB(A) reduzieren.

 

Lieferanten von geräuschgeminderten Druckluftdüsen:

Als Lieferanten für die hier beschriebenen geräuschgeminderte Druckluftdüsen kommen z.B. folgende Firmen in Betracht: 

-       EPUTEC Drucklufttechnik, 86916 Kaufering

-       Gerätebau-Insul, 53520 Insul

-       Lechler GmbH, 72555 Metzingen

-       MAFA Sebald Produktions GmbH, 58339 Breckenfeld

-       Riegler & Co. KG, 72574 Bad Urach

-       SBS-Vertriebs GmbH, 74589 Satteldorf

-       Swedex GmbH, 41468 Neuss

 

Weitere Lieferanten finden sich im Sicherheitstechnische Informations- und Arbeitsblatt 230 241 im IFA-Handbuch (2016), Anhang 3.

 

 

3. Seminar zur Geräuschemissionsmessung

 

 

Programm des Seminars zur Bestimmung des Schallleistungspegels für Maschinen

 

Ein Betrieb, der Maschinen für die Lebensmittelindustrie herstellt, hatte häufig Probleme mit den Kunden, weil beim Einsatz der Maschinen hohe Lärmpegel entstanden. Dabei hatten die räumlichen Bedingungen bei der Aufstellung der Maschinen in üblicherweise gekachelten Räumen und die damit verbundenen starken Schallreflexionen in der Regel einen ganz wesentlichen Anteil an den hohen Pegeln. 

Da der Maschinenhersteller keine Verantwortung für die ungünstige raumakustische Situation bei der Aufstellung der Maschine im Anwender-Betrieb trägt, war er daran interessiert, den Reflexions-Schallanteil genauer zu erfassen und ggf. nachzuweisen, dass die gelieferte Maschine die zugesagten Geräuschemissionswerte einhält.

Deshalb war der Maschinenhersteller an einer gezielten Schulung und Information zur Geräuschemissions-Messtechnik interessiert, wobei insbesondere die verschiedenen Verfahren zur Ermittlung der Umgebungskorrektur und die Möglichkeiten zur Bestimmung der Geräuschemission von Maschinen unter ungünstigen raumakustischen Bedingungen behandelt werden sollten. Dem Betrieb konnte dazu ein entsprechend zugeschnittenes Seminar „Geräuschemissionsmessung“ angeboten werden (siehe obiges Programm). Um den Zeitaufwand für dieses Thema auf etwa 5 bis 6 Stunden zu begrenzen, wurde der Schwerpunkt auf die Bestimmung des Schallleistungspegels und des Umgebungskorrekturwertes K2 gelegt. Dabei sollten die Messverfahren unter den gegebenen betrieblichen Bedingungen in entsprechenden Übungen auch praktisch angewandt werden. Für die Bestimmung des Emissions-Schalldruckpegels am Arbeitsplatz und der entsprechenden Umgebungskorrektur K3 wäre eine zusätzliche Schulung erforderlich, weil sich die entsprechenden Inhalte nicht in der verfügbaren Zeit behandeln lassen.

Das angebotene Seminar dürfte auch für andere Betriebe interessant sein, um Unterstützung bei der Erfassung der Geräuschemission für die produzierten Maschinen und die geforderte Geräuschemissionsangabe zu erhalten. Bei Durchführung als betriebsinternes Seminar ("in house training") kann zudem die gegebene raumakustische Situation im Prüffeld des Betriebes untersucht werden, so dass bei zukünftigen Geräuschemissionsmessungen die notwendigen Daten für die Bestimmung der Umgebungskorrektur K2  verfügbar sind.   

Im Rahmen der durchgeführten Schulung wurde für das entsprechende Prüffeld, eine Halle von ca. 10 x 8 m² Grundfläche und 7 m Höhe mit größtenteils gekachelten Wänden und einer Decke aus Stahl-Trapezblech, eine Nachhallzeit von ca. 2,7 s ermittelt. Damit ergibt sich eine äquivalente Absorptionsfläche A von ca. 35 m² entsprechend einem mittleren Absorptionsgrad von 0,08. Für die gewählte Messfläche von 54 m² errechnet sich nach DIN EN ISO 3746 (Gleichung A.1) ein Umgebungskorrektur K2 von ca. 8,6 dB(A). Da damit die in der Norm festgelegte Grenze für K2 von 7 dB(A) überschritten wird, wäre unter diesen Bedingungen keine normgerechte Messung möglich. Bei Anwendung des genaueren Verfahrens zur Bestimmung der Umgebungskorrektur nach DIN EN ISO 3744, Anhang A.2 mit Hilfe einer Vergleichsschallquelle ergibt sich jedoch ein Korrekturwert K2 von 6,8 dB(A), so dass die Vorgaben für eine Klasse-3-Messung erfüllt wären. Dieses Ergebnis ließ sich auch durch eine Vergleichsmessung der Maschine auf dem Vorfeld der Halle (annähernd Freifeldbedingungen) bestätigen. 

 

 

4. Beratung zu Büroakustik

 

In einem Betrieb hatten sich die Mitarbeiter wiederholt über die ungünstige raumakustische Situation in den Büroräumen und Besprechungsräumen beklagt. Alle Räume wiesen allseitig stark reflektierende Raumbegrenzungsflächen: Wände aus Beton, Rigips und Glas, Decke aus Beton, Teppichboden. Auch gab es keine Einrichtungsgegenstände, Papier oder Aktenordner, die zur Schallabsorption beitragen könnten.

 

Zur Beurteilung der Räume wurden jeweils die Nachhallzeiten ermittelt und mit den entsprechenden Vorgaben der Arbeitsstättenregel ASR A3.7 (Büros) bzw. der DIN 18041 (Sitzungsräume) verglichen. Damit bestätigten sich die auch subjektiv spürbaren ungünstigen raumakustischen Verhältnisse. Bei den Frequenzen von 500 Hz und 1000 Hz ergaben sich jeweils mittlere Schallabsorptionsgrade von 0,08 bis 0,12.

 

Bild 1 zeigt die für einen kleinen Besprechungsraum mit einem Volumen von 60 m²  ermittelten Nachhallzeiten in Abhängigkeit von der Frequenz (schwarze Kurve) sowie den nach DIN 18041 vorgegebenen Toleranzbereich (rote Kurven). Hier zeigt sich, dass die gegebene Situation weit entfernt ist von den Vorgaben der DIN-Norm. Wie die eingetragene grüne Kurve zeigt, lässt sich die Akustik durch Einbringung einer schallabsorbierenden Fläche von 20 m²  wesentlich verbessern. Nur bei tiefen Frequenzen ergeben sich mit etwas größeren Nachhallzeiten Überschreitungen des Toleranzbereichs. Das hat jedoch erfahrungsgemäß keinen großen Einfluss auf die Sprachverständlichkeit und das Wohlbefinden in dem Raum und kann so akzeptiert werden. Ansonsten müsste man hier spezielle Tiefenabsorber einsetzen.

 

Bild 1:  Nachhallzeiten in Abhängigkeit von der Frequenz für einen Besprechungsraum 

  

-       Schwarz:  gegebene Situation

  

-       Grün:    Prognose nach Einbringung   von 20 m² Absorptionsmaterial

  

-       Rot:      Toleranzbereich nach DIN 18041

 

 

 

 

 

5.  Neue Arbeitsstättenregel zum Lärm

 

 

Die erste Arbeitsstätten-Verordnung

vom 20. März 1975 enthielt im

§ 15 "Schutz gegen Lärm" bereits

Höchstwerte für den Lärm: 

55 dB(A), 70 dB(A) und 85 dB(A)

 

Am 18. Mai 2018 wurde die neue Arbeitsstättenregel ASR A3.7 "Lärm" veröffentlicht 

  

Die nun vorliegende Arbeitsstättenregel ASR A3.7 „Lärm“ ist das Ergebnis einer langjährigen Arbeit des ASTA-Arbeitskreises Lärm, der sich aus Vertretern der Arbeitnehmer, der Arbeitgeber, der Wissenschaft, der Länder und der Unfallversicherungsträger zusammensetzt. Die erste Sitzung fand bereits Anfang 2012 statt. Bis zur Fertigstellung eines entsprechenden Entwurfes (10. Januar 2017) waren insgesamt 33 Sitzungen erforderlich. Der Ausschuss für Arbeitsstätten (ASTA) konnte die neue ASR Lärm schließlich in der letzten Sitzung der Berufungsperiode am 7. November 2017 verabschieden. Die Arbeitsstättenregel ASR A3.7 "Lärm" wurde am 2. Mai 2018 bekannt gemacht und am 18. Mai 2018 im Gemeinsamen Ministerialblatt vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) veröffentlicht. Die ASR A3.7 steht auf der Internet-Seite der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) als Download zur Verfügung.

 

Die nun veröffentlichten ASR zum Lärm konkretisiert die im Anhang 3.7 der Arbeitsstättenverordnung genannten Anforderungen an die Reduzierung der Schalldruckpegel an Arbeitsplätzen und der Raumakustik in Arbeitsräumen. Die wesentlichen Inhalte der ASR A3.7 habe ich in einem Beitrag "Neue Arbeitsstättenregel ASR A3.7 "Lärm" - Vorgaben für die akustische Gestaltung von Arbeitsplätzen" in der Zeitschrift "Sicherheitsingenieur", Ausgabe 10/2018, publiziert und hier auch in einer Fachinfo "Vorgaben der Arbeitsstättenregel ASR A3.7" beschrieben.