Normen und Richtlinien zur Ermittlung der Lärmbelastung an Arbeitsplätzen

 

Die Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung verweist bzgl. Messtechnik auf den Stand der Technik und stellt damit eine Verbindung zu den einschlägigen Mess­normen her. Die EG-Lärmschutz-Richtlinie 2003/10/EG bezieht sich bei der Lärm­messung auf die Norm ISO 1999, die jedoch nur eine relativ grobe Beschreibung der Messmethodik enthält. Sehr viel detaillierter beschrieben wird die Lärmmessung am Arbeits­platz in der im Jahr 2009 verabschiedeten Neufassung DIN EN ISO 9612.

 

Die über viele Jahre in Deutschland für die Beurteilung der Lärmbelastung an Arbeits­plätzen maßgebende Norm DIN 45645-2 (Fassung von Juli 1997) musste nach der Übernahme der ISO 9612 als Europäische Norm in ihrem Anwendungsbereich eingegrenzt werden. Da die Lärmmessung zur Beurteilung der Gehörgefährdung an Arbeitsplätzen nun durch die DIN EN ISO 9612 abgedeckt wurde, wurde der Anwendungsbereich der DIN 45645-2 auf den Pegelbereich unterhalb der Gehörgefährdung eingeschränkt werden. Die im September 2012 herausgegebene Neufassung der DIN 45645-2 beschreibt nun die Ermittlung des Beurteilungspegels als Kennwert zur Beurteilung der Lästigkeit und Störwirkung von Geräuschen (extraaurale Wirkungen).

 

Im Folgenden sollen alle im Zusammenhang mit der Beurteilung der Lärmexposition am Arbeitsplatz bedeutsamen Normen und VDI-Richtlinien in wenigen Worten beschrieben werden.

  

  • DIN 45645-2: Ermittlung des Beurteilungspegels am Arbeitsplatz bei Tätigkeiten unterhalb des Pegelbereiches der Gehörgefährdung. Sept. 2012

     

    Die Norm beschreibt die Ermittlung des Beurteilungspegels als Kennwert zur Beurteilung von extraauralen Lärm­wirkungen an Arbeitsplätzen bei Tätigkeiten mit erhöhten Anforderungen, z.B. an die Konzentration. Der Beurteilungspegel ist insbesondere für den Vergleich mit den in der Richtlinie VDI 2058 Blatt 3 genannten Richtwerten von 55 dB(A) und 70 dB(A) von Bedeutung. Auch zur Beurteilung der Geräuschimmission an Arbeitsplätzen nach den Technischen Regeln für Arbeitsstätten (ASR 3.7 Lärm) kann die DIN 45645-2 herangezogen werden (siehe auch Fachinfo "Arbeitsstättenregel ASR A3.7").

     

  • VDI 2058 Blatt 2: Beurteilung von Lärm hinsichtlich Gehörgefährdung. Juni 1988 und Entwurf Februar 2017

     

    Diese VDI-Richtlinie behandelt die Entstehung von Hörminderungen und Gehör­schäden und gibt Hinweise zur Beurteilung des Hörschadensrisikos durch Geräuschbelastungen. Dabei wird unterschieden zwischen chronischen Gehörschäden durch langjährige Belastungen mit Beurteilungspegeln ab 85 dB(A) und akuten Gehörschäden durch sehr hohe kurzzeitige Geräusch­belastungen, z.B. Knalle und Explosionen. Außerdem werden Gefährdungen durch Ultraschall und Infraschall angesprochen und entspre­chende Richtwerte genannt, mit denen sich Beeinträchtigungen vermeiden las­sen.

     

  • VDI 2058 Blatt 3: Beurteilung von Lärm am Arbeitsplatz unter Berücksichtigung unterschiedlicher Tätigkeiten. August 2014

     

    Diese VDI-Richtlinie beschreibt ganz allgemein die Wirkung von Lärm auf die Ge­sundheit, Arbeitssicherheit und Leistungsfähigkeit, insbesondere im nicht gehör­gefährdenden Pegelbereich unter 85 dB(A). Zur Beurteilung der Geräuschimmission hinsichtlich Lästigkeit und Störwirkung werden neben den akustisch messbaren Größen auch personenbezogene Einflussfaktoren erläutert, beispielsweise die körperliche und psychische Verfassung des Beschäftigten und seine Einstellung zu der Tätigkeit. Anhand von Tätigkeitsmerkmalen werden drei Tätigkeitskategorien unterschieden, denen die Beurteilungspegel in den Stufen von 55, 70 und 85 dB(A) zuordnet wer­den. Als Orientierungshilfe für die Zuordnung einzelner Tätigkeiten gibt es eine Reihe von Beispielen.

     

  • ISO 1999: Akustik – Bestimmung der Lärmbelastung am Arbeitsplatz und Abschät­zung der lärmbedingten Hörminderung. Januar 1990

     

    Die Norm beschreibt ein Messverfahren zur Bestimmung des Lärmexpositions­pegels an Arbeitsplätzen. Besondere Bedeutung kommt dem empirischen Modell zur Vorhersage von Hörverlustverteilungen für lärmbelastete Populationen zu, das auf umfangreichen audiometrischen Daten beruht. Dieses Modell ist anwendbar für Lärmexpositionspegel LEX,8h von 75 bis 100 dB(A) und erlaubt Hörverlustprognosen für die Fraktile 0,05 bis 0,95. Für diese relativ komplizierten Berechnungen bietet das IFA - Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung auf seinen Internetseiten ein kostenloses, herunterladbares Programm an (www.dguv.de Webcode d3290).

     

  • DIN EN ISO 9612: Bestimmung der Lärmexposition am Arbeitsplatz – Verfahren der Genauigkeitsklasse 2 (Ingenieurverfahren). September 2009

     

    Die Norm gibt eine ausführliche Beschreibung der Vorgehensweise zur Ermittlung des Lärmexpositionspegels an Arbeits­plätzen. Dabei werden drei Messstrategien unterschieden, die tätigkeitsbezogene Messung (Strategie 1), die berufsbildbezogene Messung (Strategie 2) und die Ganztagsmessung (Strategie 3) (siehe auch Fachinfo "Messtrategien nach ISO 9612"). Die Norm enthält einen neuen Ansatz zur Bestimmung der Messunsicherheit, der allerdings mit einem relativ großen Rechenaufwand verbun­den ist. Als Hilfe wurde deshalb zusammen mit der ISO 9612 ein Tabellenkalkulationsprogramm erarbeitet, das auf der Internetseite des Deutschen Instituts für Normung (DIN) zur Verfügung gestellt wird. Das Programm beinhaltet die Berechnung des Lärmexpositionspegels und der damit verbundenen Unsicherheiten.